Forschung
Die global voranschreitende Urbanisierung macht uns auf eine neue Weise verwundbar gegenüber Naturkatastrophen, internationalem Terrorismus, organisierter Kriminalität und den Folgen von Großunfällen. Unternehmen, Forschungsinstitute, Universitäten und öffentliche Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg und darüber hinaus arbeiten in diesem Cluster aktiv zusammen, um durch anwendungsorientierte Forschung innovative Technologien und Lösungen zur Gewährleistung der Sicherheit der Bevölkerung vor allem in urbanen Gebieten zu entwickeln.
Neben den technologischen Themen werden öffentliche und soziale Dimensionen, wie die Betrachtung rechtlicher Rahmen, kultureller und ethischer Maßstäbe oder die Bedingungen öffentlicher Akzeptanz von Anfang an im Entwicklungsprozess neuer Sicherheitstechnologien berücksichtigt. Mit seiner thematischen Ausrichtung orientiert sich der Cluster an den Entwicklungen in der nationalen sowie europäischen zivilen Sicherheitsforschung und reagiert auf Herausforderungen der gegenwärtigen Sicherheitslage. Ziel ist es, die dringlichen Themen der Sicherheitsforschung mit dem Schwerpunkt urbane Sicherheit und die neu auftretenden Verwundbarkeiten unserer Gesellschaft gezielt zu adressieren.
Der Innovationscluster dient der intensiven Verknüpfung der Partner und der gemeinsamen Akquise von Projekten zu den inhaltlichen Forschungsschwerpunkten:1. Technologien zum Schutz und zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von urbanen Infrastrukturen
2. Technologien für Einsatzkräfte und Katastrophenhelfer
3. Technologien zur Detektion und Neutralisation von Gefahrstoffen
Technologien zum Schutz und zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von städtischen Infrastrukturen
Immer mehr Menschen leben und arbeiten in städtischen Ballungsräumen. Wir sind in einem hohen Maße abhängig von den Infrastrukturen, die unsere Mobilität, Energie und Kommunikation sowie unsere Gesundheitsversorgung sicherstellen. Durch eine zunehmende globale Vernetzung sowie durch vielschichtige Betreibermodelle werden diese Versorgungsstrukturen immer komplexer. Daraus ergibt sich eine zunehmende Verwundbarkeit gegenüber Anschlägen, terroristischen Bedrohungen oder Naturkatastrophen. Das zentrale Ziel der Aktivitäten im Rahmen dieses Forschungsschwerpunkts ist es, die Widerstandfähigkeit gegenüber Störungen – seien diese menschlich oder natürlich verursacht – zu erhöhen, die Bürgerinnen und Bürger zu schützen und ihre Versorgung zu gewährleisten. Entscheidend ist, dass mögliche Verwundbarkeiten frühzeitig erkannt werden und entsprechende Werkzeuge und Maßnahmen entwickelt werden, die diese gezielt minimieren ohne unser alltägliches Leben negativ zu beeinflussen. Solche Maßnahmen können auf ganz unterschiedlichen Ebenen greifen und sowohl städteplanerischer, technischer oder auch organisatorischer Natur sein. Betrachtet wird die ganze Bandbreite sensitiver städtischer Bereiche. Verkehrsinfrastrukturen wie etwa Flughäfen, Bahnhöfe, Brücken oder Tunnel sind ebenso Gegenstand der Untersuchungen wie Versorgungseinrichtungen, die beispielsweise der Trinkwasser- oder Energieversorgung dienen. Auch die Gewährleistung der Sicherheit auf öffentlichen Plätzen oder in politischen oder repräsentativen Gebäuden wird hier adressiert.
Technologien für Einsatzkräfte und Katastrophenhelfer
Einsatz- und Katastrophenhelfer sind im Falle eines Großschadensereignisses die ersten, die vor Ort sind, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen und Menschenleben zu retten. Dabei sind sie vielfältigen, häufig nicht abschätzbaren Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt. Gefährdungen durch Feuer, extreme Hitze-, Rauch- und Schadstoffentwicklung oder kaum begehbare Orte gehören sehr häufig zum Einsatzszenario. Schlechte Orientierungs- und Kommunikationsverhältnisse erschweren die Arbeit zusätzlich. Um in Katastrophensituationen die Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten und ihnen ein schnelles, präzises Handeln zu ermöglichen, setzt der Cluster hier einen Forschungsschwerpunkt. Viele Einsatzsituationen sind ohne spezielle Ausrüstung und Schutzkleidung von den Rettungskräften nicht zu beherrschen, daher liegt ein wesentlicher Forschungsfokus auf der Entwicklung von aktiven Schutzmaßnahmen wie Schutzkleidung oder Warnsystemen. Außerdem sollen effektive, einfach zu handhabende Hilfsmittel und Methoden entwickelt werden, die einen sicheren Einsatz der Rettungskräfte bestmöglich unterstützen. Das vordringliche Ziel im Krisenmanagement ist es, das Eskalieren einer kritischen Situation zu verhindern und die möglichen Folgen so stark wie möglich einzudämmen. In diesem Forschungsschwerpunkt kommen daher dem frühzeitigen Erkennen potenziell gefährlicher Situationen sowie der Entwicklung von Technologien für eine echtzeitnahe, umfassende Lagebewertung eine besondere Bedeutung zu. Damit verbunden ist die Erarbeitung von abgestimmten Konzepten für ein optimales Krisenmanagement, wie beispielsweise die Evakuierung großer Gebäude sowie die Entwicklung von unterstützenden Maßnahmen zur schnellen Rückkehr zur Normalsituation.
Technologien zur Detektion und Neutralisation von Gefahrstoffen
Angesichts der Sicherheitsbedrohungen durch den global agierenden Terrorismus besteht ein dringlicher Bedarf an neuen und effizienten Nachweisverfahren zum Auffinden von versteckten Explosiv- und anderen Gefahrstoffen sowie Waffen. Schon kleinste Mengen chemischer, biologischer oder explosiver Stoffe können hochgefährlich sein. Durch das breite Spektrum möglicher Gefahrstoffe müssen verschiedenste Technologien entwickelt und optimiert werden, um in unterschiedlichen Situationen frühzeitig zuverlässige Hinweise auf diese Stoffe zu liefern. Eine der Kernherausforderungen dieses Forschungsschwerpunkts liegt in der Entwicklung von Sensoren, die kleinste Konzentrationen von Gefahrstoffen mit großer Empfindlichkeit und mit hoher Selektivität detektieren. Dies gilt sowohl für gasförmige Gefahrstoffe in der Luft und für gefährliche Substanzen im Wasser, insbesondere im Trinkwasser, als auch für Feststoffe, beispielsweise für den Nachweis von Oberflächenkontaminationen auf Behältnissen. Die Überprüfung der Leistungsfähigkeit von Sensoren mittels Referenzproben und die Erarbeitung von Standards sollen die Entwicklung zuverlässiger Detektionssysteme vorantreiben. An die verlässliche und schnelle Detektion von Explosivstoffen muss sich eine ebenso zuverlässige und sichere Neutralisation solcher Gefährdungsherde anschließen. Die Vielfalt der Sprengkörper und der darin verwendeten Explosivstoffe machen diese Aufgabe zu einer brisanten und komplexen Herausforderung. Ziel ist insbesondere ein besserer Schutz von Polizeisondergruppen oder der Kampfmittelräumdienste.
